Wartungsplan für die Segelyacht — so bleibt nichts liegen
Veröffentlicht am 12. August 2026
Die meisten Schäden auf Segelyachten kündigen sich an — in einem Wartungsintervall, das verstrichen ist, ohne dass es jemand gemerkt hat. Der Impeller, der „eigentlich letztes Jahr dran gewesen wäre". Die Anode, die niemand kontrolliert hat. Ein Wartungsplan ist keine Bürokratie, sondern die billigste Versicherung an Bord: Er verwandelt „müsste man mal" in ein Datum.
Was auf einer Segelyacht regelmäßig fällig ist
Jedes Schiff ist anders ausgerüstet, aber der Kern ist bei fast allen gleich. Eine bewährte Grundstruktur, gegliedert nach Bordsystemen:
Motor und Antrieb
Motoröl und Ölfilter je nach Hersteller alle 100 bis 250 Betriebsstunden oder einmal pro Saison — je nachdem, was zuerst eintritt. Dazu Impeller jährlich (er altert auch ohne Laufzeit), Kraftstofffilter und Wasserabscheider jährlich, Keilriemen auf Spannung und Risse, Ventilspiel und Einspritzdüsen nach Herstellervorgabe. Beim Saildrive zusätzlich: Getriebeöl und die Manschette im vorgeschriebenen Turnus — deren Versagen ist ein Sinkgrund, kein Schönheitsfehler.
Rumpf, Ruder, Seeventile
Opferanoden mindestens jährlich kontrollieren, bei mehr als halbem Abtrag tauschen. Seeventile jede Saison mehrmals betätigen (ein Ventil, das sich nicht bewegen lässt, ist im Leck-Fall wertlos), Schläuche und Doppelschellen kontrollieren. Ruderlager auf Spiel prüfen, Lenzpumpen testen — auch die manuelle.
Rigg und Segel
Stehendes Gut alle ein bis zwei Jahre systematisch absuchen: gebrochene Drähte an den Terminals, Risse in Toggeln und Wantenspannern, Splinte gesichert. Versicherer erwarten bei Drahtriggs üblicherweise nach 10 bis 15 Jahren den Austausch. Laufendes Gut auf Schamfilstellen, Segel auf Nähte und UV-Schutzstreifen.
Sicherheit und Elektrik
Rettungswesten jährlich zur Wartung oder selbst nach Herstellerverfahren prüfen, Patronen und Tabletten tauschen. Feuerlöscher haben Prüffristen, die Rettungsinsel einen Wartungstermin, Seenotsignale ein Verfallsdatum. Batterien: Säurestand bzw. Ladezustand, Polklemmen, Landanschluss und FI-Schutz.
Monate oder Motorstunden — was gilt?
Beides, und zwar als „was zuerst eintritt". Ein Ölwechsel nach 200 Stunden nützt nichts, wenn die 200 Stunden erst nach drei Jahren voll sind — Öl altert auch im Stillstand. Ein guter Plan führt deshalb je Aufgabe zwei Intervalle: eines in Monaten, eines in Betriebsstunden. Fällig ist, was früher kommt. Dafür braucht es einen halbwegs aktuellen Betriebsstundenstand — einmal pro Monat notieren reicht.
Vom Zettel zum Plan, der sich meldet
Die klassische Lösung ist eine Excel-Tabelle im Schapp — und sie scheitert zuverlässig am selben Punkt: Niemand schaut hinein. Ein Wartungsplan funktioniert erst, wenn er drei Dinge kann:
Erstens: Fälligkeit von selbst anzeigen. Aus letzter Durchführung plus Intervall ergibt sich der nächste Termin — das sollte niemand im Kopf rechnen müssen. Zweitens: Historie festhalten. Wer hat wann was gemacht, mit welchen Teilen, zu welchen Kosten? Das ist beim Verkauf bares Geld wert und gegenüber Versicherung und Gutachter Gold. Drittens: für die ganze Crew sichtbar sein. Wartung, die nur der Eigner kennt, bleibt am Eigner hängen.
Genau so ist der Wartungsplaner in BordOps aufgebaut: Aufgaben mit Doppel-Intervall (Monate und Motorstunden), Ampel-Status für „fällig / bald fällig / erledigt", Erledigungen mit Datum, Notiz, Kosten und verbauten Ersatzteilen — und die ganze Crew sieht denselben Stand.
So startest du in einer Stunde
Nicht das perfekte System bauen, sondern anfangen: die Herstellervorgaben von Motor und Saildrive abschreiben (Bedienungsanleitung, Kapitel Wartung), die fünf Sicherheitsfristen eintragen (Westen, Löscher, Insel, Signale, Gasprüfung), dann pro Bordsystem eine ehrliche Schätzung, wann die letzte Wartung war. Lieber „unbekannt, also jetzt prüfen" eintragen als ein erfundenes Datum. Der Plan wächst danach von allein — jede erledigte Aufgabe schärft das nächste Intervall.
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