Einwintern ohne böse Überraschung — die Winterlager-Checkliste
Veröffentlicht am 27. August 2026
Die teuersten Winterschäden entstehen nicht durch Sturm, sondern durch Vergessen: ein Ventil nicht entleert, eine Batterie nicht abgeklemmt, eine Persenning ohne Lüftung. Und sie haben eine gemeine Eigenschaft — entdeckt werden sie erst im Frühjahr, wenn die Saison eigentlich losgehen soll. Einwintern ist deshalb Listenarbeit: gleiche Punkte, gleiche Reihenfolge, jedes Jahr.
Motor und Antrieb — der Kern des Einwinterns
Das Kühlsystem ist Frostschadenkandidat Nummer eins: Seewasserkreislauf mit Frostschutz durchspülen (über den Seewasserfilter ansaugen lassen, bis es hinten gefärbt austritt) oder vollständig entleeren. Davor idealerweise: Ölwechsel samt Filter — altes Öl enthält Säuren, die den Winter über arbeiten. Impeller ausbauen und trocken lagern (er verklebt sonst in der Pumpe), Kraftstofftank möglichst voll (weniger Kondenswasser) plus Dieselpest-Additiv, Kraftstoffhahn zu. Beim Saildrive: Getriebeöl wechseln und die Anode gleich mit ansehen — das Schiff steht ohnehin an Land.
Wassersystem: kompromisslos leer
Frischwassertank, Leitungen, Druckwasserpumpe, Boiler, Seewasser-Fußpumpe — alles entleeren oder mit Trinkwasser-Frostschutz füllen. Der Klassiker unter den Vergessenen: der Boiler (Ablasshahn!) und die Heckdusche. WC mehrfach mit Süßwasser durchpumpen, Fäkalientank leeren und spülen. Alle Seeventile betätigen und in Landstellung offen lassen, damit Restwasser abläuft — welche Stellung die Werft wünscht, vorher klären.
Batterien, Elektrik, Gas
Batterien voll laden, abklemmen und — bei Frostlager — am besten mit nach Hause nehmen oder an ein Erhaltungsladegerät. Eine leere Blei-Batterie friert und ist danach Schrott. Elektronik-Abdeckungen drauf, Bordnetz-Hauptschalter aus, Gasflaschen zu und ausgebaut lagern.
Rigg, Segel, Deck
Segel abschlagen, trocken und lose gefaltet einlagern — nie feucht verpacken. Laufendes Gut mit Süßwasser spülen (Salz zieht Feuchtigkeit) und entweder ausbauen oder mit Vorläufern ersetzen. Sprayhood und Bimini ab. Wer den Mast stehen lässt: Fallen so belegen, dass nichts schlägt — der Nachbarschaft und dem Rigg zuliebe. Alle Backskisten und das Schiff insgesamt: Polster hochstellen, Schapptüren auf, Entfeuchter hinein. Die Persenning muss lüften können — eine dichte Plane ohne Luftzug ist eine Schimmelmaschine.
Papierkram nicht vergessen
Versicherung über den Lagerort informieren (Wasser- oder Landlieger ist tariflich relevant), Kranen und Lagerplatz schriftlich bestätigen lassen, und die Wertsachen — Rettungsinsel zur fälligen Wartung geben, Elektronik, Dokumente, Außenborder — von Bord. Ein Winterlager ist kein bewachter Tresor.
Der Trick: Beim Einwintern die Frühjahrsliste schreiben
Alles, was dir beim Einwintern auffällt — die müde Anode, der raue Seeventilgang, der Riss in der Sprayhood — gehört sofort auf die Auswinter-Liste, nicht ins Gedächtnis. Im Frühjahr sind es dann keine Überraschungen mehr, sondern ein Arbeitsplan. In BordOps legst du Ein- und Auswintern als wiederkehrende Checklisten an und hakst sie je Saison ab; was dabei auffällt, wird direkt als Reparatur oder Wartungsaufgabe erfasst und taucht im Frühjahr von selbst als fällig auf. So wird aus dem Oktober-Wochenende die halbe Miete für den Saisonstart.
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